Österreichs Gemeinden stehen unter Druck. Ihre Aufgaben werden vielfältiger, die finanziellen Spielräume enger, gleichzeitig steigen die Erwartungen an Infrastruktur, Klimaschutz und Lebensqualität. Zukunftsfit zu bleiben, bedeutet heute, verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen, finanziell wie räumlich. Nicht nur in großen Städten, auch in kleineren Gemeinden schlummert bauliches Potenzial in bestehenden Strukturen. Die Stadtgemeinde Perg zeigt, wie dieses Potenzial aktiviert werden kann.
Leerstand im Stadtkern bietet Chance für Revitalisierung statt weiterer Versiegelung
Revitalisierung spielt in Perg seit vielen Jahren eine zentrale Rolle in der Stadtentwicklung, so Anton Froschauer, Bürgermeister der Stadtgemeinde. „Erhalten und reparieren. Das machen wir seit Jahrzehnten.“ Bereits vor mehr als 20 Jahren wurde mit der Umnutzung des ehemaligen Zeughauses ein bedeutendes Projekt im Stadtzentrum umgesetzt. Das heutige Kulturzeughaus gilt für Perg als gelungenes Beispiel dafür, wie bestehende Gebäude mit neuem Leben gefüllt werden können. Als die Gemeinde erneut vor einer Herausforderung stand – im Rathaus herrschte akuter Platzmangel –, rückte die Nutzung vorhandener Bausubstanz wieder in den Fokus der Überlegungen. Statt neu zu bauen, setzte man bewusst auf die Weiterentwicklung bestehender Strukturen. Darüber hinaus sollte die Barrierefreiheit verbessert und neue Impulse für die Belebung der Innenstadt gesetzt werden.
Innerhalb der Stadtverwaltung erwies sich schließlich das Bauamt als jene Abteilung, die sich für eine Auslagerung an einen neuen Standort besonders gut eignete. Mit dem Leerstand einer ehemaligen Supermarktfiliale in der Fadingerstraße, nur fünf Gehminuten vom Perger Rathaus entfernt, ergab sich dafür eine konkrete Möglichkeit. Die zu diesem Zeitpunkt ungenutzte Fläche bot das Potenzial, sowohl den Raumbedarf der Verwaltung zu decken als auch einen Akzent im Stadtkern zu setzen.
Neues Leben in alten Mauern macht mehr Sinn
Zu Beginn stellte man sich zwar die Frage, ob der Raumbedarf durch einen Neubau oder einen Umbau im Bestand gedeckt werden soll, doch Für Bürgermeister Anton Froschauer war die Richtung früh klar:
„Wir haben sehr viel Bausubstanz in unseren Städten und Gemeinden. Ich glaube, wir sind gut beraten, darüber nachzudenken, wie wir Bestehendes weiterentwickeln und anpassen können und damit auch einer modernen Raumordnung Rechnung tragen. Auf der grünen Wiese zu bauen ist relativ einfach. Im verbauten Bereich Neues zu schaffen, erfordert mehr Hirnschmalz, ist aus meiner Sicht aber nicht nur nachhaltiger, sondern auch generationenübergreifend gedacht. Ein neues Leben in alten Mauern macht daher sehr viel Sinn.“ – Anton Froschauer.
Nachhaltige Sanierung zahlt in Klimastrategie ein
Die bauliche Ausgangssituation des ehemaligen Supermarkts erwies sich grundsätzlich als solide, jedoch nicht ohne Herausforderungen, so Benjamin Traxler, Leiter des Bauamts der Stadtgemeinde Perg. Die Bausubstanz war in gutem Zustand, zudem bot die große, zusammenhängende Fläche von rund 450 m² viel Spielraum für eine flexible Neugestaltung. Um genug Tageslicht zu schaffen, wurde das bestehende Parapet teilweise rückgebaut. Zusätzlich entschied man sich im Innenbereich bewusst für Glaswände, um natürliche Lichtquellen bestmöglich zu nutzen und auch innen liegende Besprechungsräume heller zu gestalten. Die Revitalisierung umfasste außerdem eine thermische Sanierung, den Einbau neuer Fenster, die Erneuerung der technischen Gebäudeausstattung sowie die Schaffung barrierefreier Zugänge. Damit entspricht das Objekt heute sowohl energetisch als auch funktional zeitgemäßen Anforderungen an öffentliche Gebäude.
Über die bauliche Modernisierung hinaus leistet das Projekt auch einen Beitrag zu den Klimazielen der Gemeinde und zeigt, wie kommunale Bauprojekte zur Ressourcenschonung und klimafreundlichen Stadtentwicklung beitragen können.
Win-Win für Bevölkerung und Verwaltung
Während der Planungsphase wurde intensiv diskutiert und auch Überzeugungsarbeit geleistet. Die Entscheidung, das Bauamt aus dem bestehenden Rathaus auszugliedern, war nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine kulturelle Frage:
„Veränderung ist in sehr vielen Fällen mit Unsicherheiten verbunden. Wir Menschen sind oft so gepolt, dass wir am Bewährten festhalten wollen. Deshalb ist Information das Um und Auf. Betroffene früh einzubinden ist von essenzieller Bedeutung und ich glaube, das gelingt uns immer wieder ganz gut.“ – Anton Froschauer
Heute zeigt sich, dass viele anfänglichen Bedenken unbegründet waren. Die neuen Räumlichkeiten bieten nicht nur mehr Platz, sondern auch bewusst gestaltete Begegnungszonen wie einen Sozialraum. Die frühere Raumsituation war von Platzmangel geprägt. In der neuen Struktur wurde bewusst auf Einzelbüros gesetzt, ein besonderer Vorteil für vertrauliche Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern. Gleichzeitig sorgen Verbindungstüren zwischen den Büros dafür, dass der fachliche Austausch im Team weiterhin unkompliziert möglich bleibt.
„Ein wesentlicher Fortschritt ist die Barrierefreiheit. Im bestehenden Rathaus sind die oberen Geschoße nicht barrierefrei erschlossen. Aber am neuen Standort haben wir jetzt einen barrierefreien Zugang, das ist für alle Bevölkerungsgruppen deutlich besser.“, so Benjamin Traxler.
Teile der Immobilie wurden von der Gemeinde erworben, darüber befinden sich Wohnungen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner bringt die Nutzung als Amtsgebäude klare Vorteile: tagsüber geregelter Betrieb, kaum Lärmentwicklung und abends Ruhe. Die Umnutzung schafft damit eine für alle Beteiligten stimmige Situation. Und auch städtebaulich zeigt sich ein spürbarer Effekt. In einem Stadtteil, der zuvor von älterer Bausubstanz und wenig Frequenz geprägt war, ist neues Leben entstanden.
Revitalisierung in Perg als Vorbild für kommunale Stadtentwicklung
Welche Signalwirkung hat ein Projekt wie dieses für andere Gemeinden? Aus Sicht der Stadtgemeinde Perg geht es dabei zunächst um Ermutigung. Gemeinden stehen vielerorts vor ähnlichen Herausforderungen. Entscheidend sei die Haltung, meint Anton Froschauer: „Man kann Zustände beweinen oder gestalten. Ich neige zu zweiter Lösung.“
In diesem Zusammenhang spielt die EFRE-Förderung in Oberösterreich eine zentrale Rolle. Als Instrument der Europäischen Union werden über unterschiedliche Fördermaßnahmen strukturelle Entwicklungen angestoßen und umgesetzt. So schafft das Programm finanzielle Unterstützung und strategische Rückendeckung auch für Gemeinden, die neue Wege gehen möchten. Projekte werden nicht isoliert umgesetzt, sondern fachlich begleitet und in regionale Kooperationen eingebettet. Revitalisierungsprojekte wie jenes in der Fadingerstraße in Perg zeigen, dass nachhaltige Stadtentwicklung möglich ist, wenn Verantwortung übernommen und Entwicklungen aktiv angestoßen werden.
