Der Klimawandel stellt Gesellschaft und Wirtschaft zunehmend vor neue Herausforderungen. Steigende Temperaturen und häufigere Hitzewellen machen deutlich: Zukunftsfähige Gebäude sind kein Nice-to-have mehr, sondern eine Notwendigkeit. Mit dem Technologiezentrum Seestadt Gebäude 3 (TZ3) hat die Wirtschaftsagentur Wien ein Vorzeigeprojekt für Energieeffizienz und nachhaltiges Bauen geschaffen.
Durch Bauteilaktivierung, Grundwassernutzung und weitere passive Maßnahmen schafft das TZ3 energieeffizient angenehme Arbeitsbedingungen und bietet damit ideale Voraussetzungen für innovative Technologieunternehmen, erzählen Rainer Holzer, Abteilungsleiter Immobilien in der Wirtschaftsagentur Wien und Projektleiterin Camilla Munksgaard im Interview. So entwickelt es sich zu einem Innovationszentrum, das den Wirtschaftsstandort nachhaltig stärkt.
Viermal effizienter als der Standardbau
Der hochtechnologische Neubau wurde mit der ÖGNB-Gold-Zertifizierung ausgezeichnet und verbindet hohe Energieeffizienz mit angenehmen Arbeitsbedingungen. Das ist wichtig, denn hier entsteht etwas Besonderes: Das Technologiezentrum bietet klugen Köpfen – von Start-ups bis hin zu internationalen Unternehmen – moderne, energieeffiziente Arbeits- und Produktionsflächen. So treibt es Innovation voran und stärkt den Wirtschaftsstandort.
„Man sieht dem Gebäude von außen vielleicht nicht an, wie energieeffizient es ist. Doch die Technik im Inneren und die Art, wie das Gebäude betrieben wird, bieten enormes Einsparpotenzial“
Camilla Munksgaard, Projektleiterin, Wirtschaftsagentur Wien
Ein zentrales Ziel bei der Errichtung des Technologiezentrum (Bauteil 3) war es, den CO₂-Ausstoß so weit wie möglich zu reduzieren. Dabei wird zwischen Einsparungen in der Bauphase – etwa durch die Wahl geeigneter Baustoffe – und jenen im laufenden Betrieb unterschieden. Letztere machen den deutlich größeren Hebel aus. Eine entscheidende Rolle spielen hier die aus dem EFRE geförderten Maßnahmen im Bereich der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik. Eine Vergleichskalkulation mit einem herkömmlichen Gebäude zeigt den Unterschied deutlich: Das TZ3 verbraucht nur rund ein Viertel der Energie, die ein nach gängigen Standards errichtetes Gebäude verbrauchen würde.
„Dienst nach Vorschrift war für uns keine Option. Unser Anspruch war es, ein echtes Leuchtturmprojekt zu realisieren“, betont Rainer Holzer. Gerade in der Stadtentwicklung ist der Niedrigenergieaspekt heute ebenso zentral wie die Standortfrage. Ziel ist es, zukunftsfähige Rauminfrastruktur für Forschung, Entwicklung und unternehmerische Tätigkeit zu schaffen. Die Seestadt Aspern bietet mit ihrer Nähe zum Zentrum von Wien ideale Voraussetzungen, um als Wirtschaftsstandort entsprechende Impulse zu setzen. Mit Blick auf neue Vorgaben auf EU- und nationaler Ebene zeigt das TZ3 schon heute, wie nachhaltiges und energieeffizientes Bauen in Zukunft aussehen wird.
Erst im Zusammenspiel entfaltet sich der volle Effekt
„Nicht nur in der Bauphase, sondern vor allem im laufenden Betrieb können wir viel Energie sparen“, erklärt Camilla Munksgaard, Projektleiterin des Bauprojekts. Das Gebäude setzt dabei auf ein fein abgestimmtes Zusammenspiel moderner Technologien: Eine stufenlos regelbare Wärmepumpe, betrieben mit Strom aus der Photovoltaikanlage am Dach, nutzt gemeinsam mit Grundwassernutzung, Kühl- und Wärmeregistern sowie Bauteilaktivierung die Speichermasse des Gebäudes zur Temperierung. So wird nur jene Energie eingesetzt, die tatsächlich benötigt wird.
Das Ergebnis ist ein konstant angenehmes Raumklima – ohne klassische Heizkörper, dafür mit flächigem Heizen und Kühlen über Decken und Bauteile. Eine kontrollierte Lüftung mit Rotationswärmetauscher ergänzt das System. Dieser wärmt im Winter die einströmende Frischluft mit der Wärme der Abluft vor. CO₂-Sensoren passen die Lüftungsleistung automatisch an die Nutzung der Räume an. Gerade angesichts zunehmender Hitzetage spielt diese intelligente Steuerung eine wichtige Rolle. Das Gebäude kann frühzeitig reagieren und sich gezielt vorkühlen, um auch bei Hitzewellen angenehme Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.
„Das Faszinierende an diesem Projekt ist das Zusammenspiel der Maßnahmen. Erst durch die bewusste Kombination verschiedener Systeme entfaltet sich der volle Effekt.“
Rainer Holzer, Wirtschaftsagentur Wien, Abteilungsleiter Immobilien
Effizientes, digital gesteuertes Gebäudemanagement wird künftig weiter an Bedeutung gewinnen. „Das ist nicht mehr so wie früher, wo es einfach einen Winter- oder Sommerbetrieb gab – heute regulieren sich Gebäude laufend selbst.“ Dabei werden künftig auch KI-gestützte Lösungen eine immer größere Rolle spielen.
Das Technologiezentrum als Keimzelle für Innovation und Wirtschaftlichkeit
Ein intelligentes Gebäude passt ideal zur Zielgruppe des TZ3. „Unsere Mieter:innen sind innovative, technologieaffine Unternehmen, dafür braucht es auch ein entsprechendes Umfeld“, betont Rainer Holzer. Das Spektrum reicht von Zahntechnik und 3D-Metall-Druck über Biotechnologie und Medizinforschung bis hin zu neuen Kühltechnologien. Viele der ansässigen Unternehmen sind Start-ups oder Scale-ups aus dem Technologiesektor.
Das Technologiezentrum bietet Mehrwert statt Standardmiete
Sie profitieren nicht nur von der modularen Infrastruktur und der hohen Flexibilität der Mieteinheiten, die gezielt auf Wachstum ausgelegt sind, sondern auch vom Service der Wirtschaftsagentur Wien: Neben Flächen und Infrastruktur werden Beratungen rund um Behördenwege, Betriebsanlagengenehmigungen und Möglichkeiten, in Wien eine Förderung für Unternehmen zu erhalten, angeboten. On Top gibt es im Technologiezentrum die Möglichkeit zum Austausch mit einem spannenden Netzwerk – sowohl untereinander als auch mit internationalen Playern wie Hoerbiger oder Takeda sowie mit Expert:innen etwa vom EIT Manufacturing oder der Pilotfabrik der TU Wien.
„Das Technologiezentrum war eine wichtige Keimzelle, um internationale Unternehmen anzusiedeln und Arbeitsplätze zu schaffen – und genau darum geht es am Ende des Tages“, so Rainer Holzer.
Investitionen in Nachhaltigkeit bedeuten Investitionen in die Zukunft
Auf die Frage, was er aus dem Projekt mitnimmt, antwortet Rainer Holzer: „Glaube an große Visionen.“ Als in der Seestadt Aspern zu Beginn kaum mehr als die U-Bahn existierte, entschied man sich bewusst, mit dem Technologiezentrum (erste Baustufe TZ1) den ersten Impuls zu setzen. Dieser Mut zum ersten Schritt habe sich im Rückblick als richtig erwiesen – nicht nur als Grundlage für weitere Investitionen, sondern auch für die Entwicklung des TZ3 als Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen. Der gesamte Gebäudekomplex ist in fünf Baustufen angelegt, von denen mit dem TZ3 nun die dritte realisiert wurde. Zwei weitere Ausbaustufen sind in Planung. Dabei richtet sich der Blick klar nach vorne: Zukünftige Projekte sollen sich verstärkt mit Themen wie Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung im Bauwesen sowie der Wiederverwendung von Materialien im Sinne der Kreislaufwirtschaft auseinandersetzen.
So steht das TZ3 nicht nur für einen erfolgreichen Projektschritt, sondern auch für eine langfristige Entwicklung, die Nachhaltigkeit, Innovation und wirtschaftliche Perspektiven verbindet.
