Intelligente Spezialisierung: eigene Stärken fördern

29.09.2026

Was in der Schule gilt, lässt sich auch auf die Regionalentwicklung umlegen: eigene Stärken identifizieren und fördern bringt Kreativität, Innovation und Wachstum in den Regionen. Eine neue Studie der Europäischen Kommission zeigt, wie die Strategien für intelligente Spezialisierung (S3) tatsächlich wirken…

Foto: ÖROK /shutterstock/Romolo_Tavani

„Wenn man einen Fisch danach beurteilt, wie gut er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben lang glauben, dass er unfähig ist.“ Dieses bekannte Bild – auch wenn es fälschlich Albert Einstein zugeschrieben wird – beschreibt treffend den Grundgedanken der europäischen Innovationspolitik: Nicht jede Region muss alles können. Entscheidend ist, die eigenen Stärken zu erkennen und gezielt weiterzuentwickeln.

Genau hier setzt die Strategie der intelligenten Spezialisierung (S3) der Europäischen Union an. Sie unterstützt Regionen dabei, ihre besonderen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technologischen Potenziale zu identifizieren und daraus nachhaltiges Wachstum, Innovation und Beschäftigung zu entwickeln.

Eine aktuelle Studie der Europäischen Kommission zeigt: Mehr als zehn Jahre nach ihrer Einführung ist die intelligente Spezialisierung zu einem zentralen Instrument der europäischen Regional- und Innovationspolitik geworden. Sie verbindet Forschung, Industrie, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Kompetenzentwicklung innerhalb einer gemeinsamen regionalen Strategie.

Von der Fördervorgabe zum Entwicklungsinstrument

Ursprünglich wurde S3 als Voraussetzung eingeführt, damit Regionen Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) für Forschung und Innovation erhalten konnten. Inzwischen hat sich der Ansatz deutlich weiterentwickelt: Heute dient S3 als Rahmen für die Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Rund 66 % der Befragten sehen die intelligente Spezialisierung als wichtigsten strategischen Rahmen für Forschungs- und Innovationspolitik in ihrer Region. Statt einzelne Projekte isoliert zu fördern, bündeln Regionen ihre Investitionen zunehmend entlang langfristiger Prioritäten.

Vielfalt als Stärke Europas

Die Studie untersuchte über 170 regionale und nationale Strategien und identifizierte mehr als 1.000 unterschiedliche Innovationsprioritäten. Diese reichen von moderner Produktion und Gesundheitswirtschaft über digitale Technologien bis hin zu erneuerbaren Energien und nachhaltigem Tourismus.

Die Stärke des Ansatzes liegt in seiner Flexibilität: Jede Region entwickelt ihren eigenen Weg, anstatt ein einheitliches Modell übernehmen zu müssen. Rund 90 % der Strategien kombinieren mehrere Themenfelder, um komplexe Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung oder demografische Veränderungen zu bewältigen.

Innovation durch Zusammenarbeit

Erfolgreiche Regionen denken zunehmend in Innovationsökosystemen statt in einzelnen Branchen. Beispiele wie die Lombardei zeigen, dass wirtschaftliche Entwicklung besser funktioniert, wenn Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Politik und Gesellschaft gemeinsam Lösungen entwickeln.

Auch die Region Kampanien verbindet ihre Strategie mit europäischen Industrieprioritäten und schafft Netzwerke zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung. Ziel ist es, technologische Entwicklungen frühzeitig aufzugreifen und regionale Chancen mit europäischen Zielen zu verbinden.

Beitrag zu Klimawandel und Zukunftstechnologien

Intelligente Spezialisierung unterstützt Regionen auch beim ökologischen Wandel. Rund 80 % der Pläne für einen gerechten Übergang in Europa beziehen sich auf S3-Prioritäten oder verwandte Bereiche. Dabei geht es nicht nur um kurzfristige CO₂-Reduktionen, sondern um langfristige Transformation: neue Technologien, nachhaltige Produktion und zukunftsfähige Arbeitsplätze.

Fazit

Die intelligente Spezialisierung zeigt: Europas Zukunft liegt nicht darin, dass alle Regionen gleich werden. Erfolg entsteht dort, wo lokale Fähigkeiten, Wissen und wirtschaftliche Besonderheiten gezielt genutzt werden.

Wie der Fisch aus der Metapher muss keine Region „auf Bäume klettern“. Entscheidend ist, den eigenen Lebensraum und die eigenen Stärken zu erkennen – und daraus neue Möglichkeiten für Innovation und Wachstum zu schaffen.

Quelle: Artikel im Online-Magazin „PANORAMA“, Link zur Langversion.

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