Auf dem Kaunergrat zu nachhaltigem Tourismus

Im Gegensatz zu manch anderer Alpenregion ist es im Kaunertal gelungen, den Naturraum zu schützen und weitgehend naturbelassen zu erhalten. Darauf aufbauend wollen sich nun sieben Gemeinden unter dem Titel Region Kaunergrat zur Modelldestination eines nachhaltigen Tourismus entwickeln, um neue, verantwortungsvolle Gästeschichten anzusprechen. Als Pilotprojekt der Tiroler Initiative CLEAN ALPINE REGION (CLAR) bekamen sie dazu Förderungen aus dem Europäischen Regionalfonds.

Der Kontext

Zukunftsfähiger Tourismus muss die Balance halten zwischen seiner Rolle als Wirtschaftsmotor und der Verpflichtung gegenüber Klimaschutz und dem Erhalt des Natur- und Kulturraums. Im  Kaunertal ist diese Balance bisher gelungen: Große Schutzgebiete wurden über die Jahre ausgewiesen und prägen das Bild der Region, nicht zuletzt durch die vielen Naturparkangebote. Gleichzeitig bietet ein kleines Gletscherskigebiet am Talschluss über die üblichen Wintersportsaisonen hinaus die Chance für eine saisonunabhängige touristische Entwicklung. Diese zu nützen, muss über den Pfad eines sanfteren, nicht nur auf den Wintersport ausgerichteten Tourismus führen, der in der Region auch mehr qualifizierte Ganzjahresarbeitsplätze sichert.

Kaunertal Tourismus hat sich zum Ziel gesetzt, die Region als nachhaltige Tourismusdestination zu positionieren, die als solche vom Gast auch wahrgenommen wird. Als Region Kaunergrat haben sich deshalb sieben Gemeinden im und um das Kaunertal für den Regionenwettbewerb CLEAN ALPINE REGION (CLAR) der „Lebensraum Tirol Holding“ beworben. Mit einem Programm, das von September 2020 bis Juni 2022 Betriebe auf dem Weg zu klimafreundlichen Tourismusangeboten unterstützt, wurde sie als eine von vier Pilotregionen ausgewählt und bekam eine Förderung aus dem Programm „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“ im Europäischen Regionalfonds (IWB/EFRE). Diese wird in Tirol nach dem Community-Led-Local-Development-Ansatz (CLLD) umgesetzt, der die Einbindung lokaler Stakeholder in die Planung regionaler Entwicklungsstrategien forciert (nähere Infos zu CLLD finden Sie hier).

Das Projekt

Das Projekt CLAR Kaunergrat versucht alle wesentlichen Aspekte der Nachhaltigkeit abzudecken. Es macht seine Hausaufgaben im Bereich CO2-Reduktion in Mobilität und Energieversorgung, trägt zum Erhalt des Kultur- und Naturraums und zur Bewusstseinsbildung bei und etabliert eine umfassende Kommunikation des neuen Wegs nach innen und nach außen.

Das Programm basiert auf sieben Pilotprojekten, wie etwa die „Raus aus Öl Initiative Kaunergrat“, die Tourismusbetriebe dabei begleitet, ihre Heizung auf erneuerbare Energien umzustellen. Im Sommer fährt täglich ein eShuttle Gäste vom Kaunertal über Kauns und Kaunerberg bis zum Naturparkhaus, um die nachhaltigen Angebote des Naturparks emissionsfrei nutzbar zu machen. Ein Leitfaden demonstriert Gästen und Einheimischen, wie sie ihren Teil zu klimaverträglichem Verhalten beitragen können.

Am 20.Oktober erfolgt der Startschuss zu einem Entwicklungsprozess „Zukunft Lebensraum“ mit allen Stakeholdern. Er soll den neuen gemeinsamen Weg in der Region festigen und weitere Maßnahmen über das CLAR-Programm hinaus entwickeln. Zu all dem ist die Koordinationsfunktion der zentrale Anker im Programm. Im Projekt wurde mit Elisabeth Steinlechner eine Koordinatorin für die Umsetzung der definierten Maßnahmen sowie für den Entwicklungsprozess bis Ende der Projektlaufzeit Juni 2022 beauftragt.

DIE PERSPEKTIVE DER PROJEKTLEITERIN

„Wir haben hier im Tourismus ständig mit dem Klimawandel und dessen Auswirkungen zu tun. Mich hat das schon im Rahmen der Kooperation in der „Klimawandelanpassungsregion“ (KLAR) Kaunergrat voll gepackt. Dann kam die Bewerbung als CLAR Region, “ erklärt Michaela Gasser-Mark, Geschäftsführerin des Kaunertal Tourismus und Projektleiterin von CLAR Kaunergrat. „Heute, da wir schon die Halbzeit in diesem Projekt hinter uns haben, sehen wir, dass die Maßnahmen Früchte tragen. Das Kaunertal war immer schon unberührt und naturbelassen. Es brauchte nur die nötige Positionierung, und diese ist als nachhaltiges Tal absolut gegeben.“

Nun passe alles zusammen: „der Naturpark Kaunergrat mit dem neu ausgeweiteten Schutzgebiet Kaunergrat; die Bevölkerung, die sich nie den Superlativen verschrieben hat, sondern lieber bedächtig und ruhig und sehr wohl auch bescheiden die Entwicklung mitgetragen hat; die neue Ausstellung, die sich im Tal unter dem Titel ‚Klima Gletscher Kaunertal‘ mit dem Klimawandel vor Ort auseinandersetzt; die früheren KLAR Maßnahmen und nun das Projekt CLEAN ALPINE REGION, das den nötigen Rückenwind gibt in dieser Richtung weiterzumachen.“

„Ich hoffe und erwarte mir in ein paar Jahren, dass sich das Kaunertal mit einem gesunden, glaubwürdigen und nachhaltigen Tourismus einen Namen gemacht und sich klar positioniert hat, und dass damit auch die Lebensqualität in der Region gesichert ist,“ sagt Gasser-Mark und resümiert: „Meine Vision ist, dass sich alle – die Bevölkerung, die Vermieter, die Stakeholder sowie schlussendlich auch die Gäste – auf Dauer in unserem Lebensraum wohlfühlen und den eingeschlagenen ‚grünen Weg‘ beibehalten und stärken.“

 

Die Wirkung in der Region

Die Maßnahmen, die im Projekt CLAR Kaunergrat definiert wurden, bilden alle Dimensionen der Nachhaltigkeit ab – ökologisch, ökonomisch und sozial. Ziel ist es, eine dauerhafte Positionierung der Region als nachhaltige Tourismusdestination zu festigen und damit für die Zukunft attraktive Arbeitsplätze zu sichern, eine größere regionale Wertschöpfung zu erzielen und die Lebensqualität in der Region zu verbessern.

Viele der Maßnahmen wirken direkt wirtschaftlich bei den Betrieben, Neue nachhaltige touristische Angebote werden geschaffen, wie mit dem eShuttle zum Naturparkhaus seit Juni 2021 oder mit der Etablierung von Green Events.

Eine starke Wirkung geht aber auch von den Kommunikationsmaßnahmen aus, nach innen mit den Stakeholdern in der Region und nach außen zu potenziellen Gästen. Sie erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit der Region als touristische Destination und tragen zu einer langfristig besseren Auslastung im Ganzjahrestourismus bei.

Darüber hinaus entfaltet das Projekt auch eine Vorbildwirkung über die Region hinaus. Es zeigt konkret die Wirtschaftlichkeit von klimaschonenden Maßnahmen auf und demonstriert, dass sich nachhaltige Pfade des alpinen Tourismus rechnen.

Der Mehrwert eines EU-Projektes

Michaela Gasser-Mark: „Für Kaunertal Tourismus bedeutet die Förderung durch die EU eine besondere Auszeichnung. Damit ist sozusagen eine überregionale Wertschätzung für unser Projekt verbunden. Zudem wäre das Projekt ohne EU-Förderung ganz sicher nicht durchführbar. Gerade in Corona Zeiten sind die Budgets von Tourismusorganisationen limitiert und ‚besondere‘ Projekte könnten wir uns nicht leisten“.

Fact Box

Projekttitel CLAR Koordination     
Förderprogramm    IWB/EFRE 2014-2020
Prioritätsachse      P5 – Stadt-Umland-Entwicklung & CLLD
Kurzbeschreibung Im Rahmen des Regionenwettbewerbs Clean Alpine Region wurde das Kaunertal als Modellregion ausgewählt, die sich als klimafreundliche Tourismusregion weiter entwickeln möchte. Über die Förderung aus IWB/EFRE wird die Koordination des Gesamtkonzepts und der Pilotprojekte finanziert.
Gesamtinvestition     285.000 (Koordination und sieben Umsetzungsprojekte)
Weitere Finanzgeber                      Standortagentur Tirol GmbH und Land Tirol
Projektstart  09/10/2020
Projektende 30/06/2022
Förderstelle Amt der Tiroler Landesregierung – Abt. Landesentwicklung
Projektträger

Tourismusverband Tiroler Oberland
Michala Gasser-Mark
Geschäftsführerin Kaunertal Tourismus
e-mail: m.gasser@kaunertal.com
Tel.: 0043 50 225 200

Projektpartner Gemeinden: Fließ, Prutz, Faggen, Kauns, Kaunerberg, Kaunertal, Fendels
Projektwebseite                                                           https://www.kaunertal.com/de/Nachhaltigkeit/Gelebte-Nachhaltigkeit/Clar

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