Sonnenstrom vom Bauernhof

20.05.2020

Leuchtturm für lokale Energieversorgung

Regional, nachhaltig, innovativ: Was im Bereich Fleischproduktion und Lebensmittelhandel schon seit vielen Jahren umgesetzt wird, hat sich das Unternehmen Grissemann aus Zams in Tirol auch für die Energieversorgung zu Herzen genommen. Seit kurzem erzeugt eine Photovoltaik-Anlage am Dach des Hühnerstalls „grünen“ Strom, der auch gleich im Betrieb verbraucht wird – eine EU-Förderung macht das möglich.

Foto von Thomas Walser im Verkaufsraum seines Großhandelsuntrnehmens Grissemann in Zams

Thomas Walser, Geschäftsführer Grissemann GmbH

„Unser Projekt ist besonders sinnvoll, weil man die Energie nicht hin und her schicken muss, sondern 100 Prozent des erzeugten Stroms gleich vor Ort in die Abdeckung des Eigenbedarfs fließen“, erklärt Thomas Walser, Geschäftsführer des Familienunternehmens, das mittlerweile in der vierten Generation geführt wird. Grissemann betreibt an einem zentralen Standort einen Hypermarkt mit einem Sortiment von mehr als 110.000 Produkten und beliefert als in der Region stark verankerter Großhändler Hotels und Gastronomiebetriebe mit Lebensmitteln.

Erneuerbare Energie weiter forcieren

„Wir haben ein paar hundert Meter entfernt außerdem einen Schlachthof und eine Fleischproduktion mit großen Tiefkühlräumen – deswegen auch der hohe Strombedarf“, so Walser. Von Vorteil sei hier, dass es ähnliche „Spitzen“ in der Produktion wie im Verbrauch gebe: „Im Sommer, wenn die Sonne scheint und es warm ist, müssen wir klarerweise viel kühlen.“ In den kommenden Jahren soll der Anteil der erneuerbaren Energie noch weiter ausgebaut werden, „weil wir sehen, dass das gut funktioniert und super läuft“.

„Ich war ja anfangs skeptisch, weil ich mich mit dem Thema nie beschäftigt habe. Vor allem die Förderungen haben aber geholfen, diese Hürde zu überwinden, weil man das Risiko reduziert. Das war ein guter Anstoß, ohne den ich das Projekt nicht angegangen wäre“
Thomas Walser, Geschäftsführer

Insgesamt konnten zusammen mit einer seit längerem bestehenden Anlage am Haupthaus bereits 250 Tonnen CO2 durch das mit IWB/EFRE-Mitteln unterstützte Projekt eingespart werden. Die 332 neuen PV-Module ermöglichen eine jährliche Produktion von rund 107.000 kWh.

Vorbild für die Region

Mit der lokalen erneuerbaren Energieversorgung habe man auf alle Fälle eine Vorbildfunktion in der Region. „Inzwischen sind auch schon drei, vier Anlagen entstanden, weil sich das jemand bei uns angeschaut und dann entschieden hat, ebenfalls in Sonnenstrom zu investieren“, so Walser. Die Montage bei Grissemann erfolgte durch eine lokale Firma und auch sonst ist das Unternehmen stark darauf fokussiert, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt: „Wir haben beispielsweise eine Eigenmarke für regionale Produkte entwickelt, dadurch unterstützten wir die Bauern aus der Umgebung.“ Mit knapp 400 Beschäftigten ist das 1886 gegründete Unternehmen einer der größten Arbeitgeber in der Region.

Das Projekt wurde im Rahmen des CLLD-Ansatzes („Community-led local development“) in Tirol gefördert. Dabei geht es um die Unterstützung örtlicher Entwicklungsstrategien. Strategische Vorteile für Tirol ergeben sich etwa durch die Vorbildwirkung, die auch andere Unternehmen im Bezirk inspiriert. Außerdem hilft es dabei, das abstrakte Thema „Klimaschutz“ durch konkrete Maßnahmen näher zu bringen.

Projekttträger:

Grissemann Gesellschaft mbH
Hauptstraße 150
6511 Zams

Was wurde gefördert:

Errichtung einer Photovoltaik-Eigenverbrauchsanlage auf dem Dach des Betriebes

Förderstelle:

Amt der Tiroler Landesregierung - Abteilung Landesentwicklung und Zukunftsstrategie

Förderziele:

Realisierung eines Pilotprojektes im Bereich der gewerblichen und nachhaltigen Energieerzeugung in der Region, zur Unterstützung örtlicher Entwicklungsstrategien.

Projektzeitraum:

März 2019 - Dezember 2019

Investitionsvolumen:

ca. 106.560,- Euro

Fotos: ÖROK/APA-Fotoservice/Hetfleisch

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